Die meisten deutschen Bundesbürger wissen mit dem Begriff Wirtschaftsschule
nicht sonderlich viel anzufangen. Dies kann man niemandem zum Vorwurf machen. Während es in 15 Bundesländern eine
solche Einrichtung nicht gibt, verfügt lediglich Bayern über solch spezielle Schulen. Etwa 26.000 Jungs und Mädchen
besuchen derzeit eine solche Schule und genießen dabei eine Bildung, die speziell auf die wirtschaftlichen und
verwalterischen Aufgaben vorbereitet. Hierbei gibt es verschiedene Stufen.
Die 4-stufige Form schließt beispielsweise an die 6. Klasse an und wird bis
Ende des 10. Schuljahrs vollzogen. Die 3-stufige Form erstreckt sich wiederum über 3 Jahre und beginnt nach Ende
des 7. Schuljahrs. Eine weitere Alternative stellt die 2-stufige Form dar, welche nach dem Hauptschulabschluss
beginnt und eine 2jährige Schulbildung mit sich bringt. Nach erfolgreichem Abschluss der Schullaufbahn ist die
mittlere Reife zu erreichen, was insbesondere für die ehemaligen Hauptschüler von großem Interesse ist. Darüber
hinaus bringt es auch hinsichtlich der Lehrstellensuche einen Vorteil mit sich, dass man über eine berufsbezogene
Schulbildung verfügt.
Wirtschaftsschule Amberg
Hinsichtlich der Aufnahme gibt es allerdings genaue Voraussetzungen. Wer sich für die 3- oder
4-stufige Form entscheidet, muss einen Notendurchschnitt von 2,33 vorweisen können. Wer wiederum von einer
Hauptschule kommt und die 2-stufige Schulbildung benötigt, muss an einem dreitägigen Probeunterricht teilnehmen.
Nach Abschluss dieser Probezeit folgt ein Gespräch zwischen Lehrer und Schüler, wobei noch einmal über die
bisherigen Leistungen gesprochen wird. Hierbei wird dann auch besprochen, ob sich der Schüler für eine
entsprechende Schullaufbahn eignet und ob er hieran auch wirklich Interesse hat. Sollte es in beiderlei Hinsicht zu
einem positiven Ergebnis kommen, steht dem Fortsetzen der schulischen Laufbahn nichts mehr im Wege.
Für die ehemaligen Hauptschüler ist dies natürlich von besonders großem
Interesse. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass gerade diese Schüler nur schwer eine Lehrstelle finden. Wurde
aber in Folge der 9jährigen Schullaufbahn eine Wirtschaftsschule besucht und erfolgreich abgeschlossen, verfügt der
Schüler nicht nur über einen besseren Abschluss, er ist auch aufgrund der berufsbezogenen Schulbildung ein sehr
interessanter Kandidat für einen Ausbildungsplatz. Zusätzlich bietet sich die Möglichkeit, nach Beendigung der
Wirtschaftsschule eine weiterführende Schule zu besuchen. So kann zum Beispiel die 11. oder 12. Klasse eines
Gymnasiums besucht werden (je nach Notendurchschnitt), sodass das Abitur zu erreichen ist. Ebenso gut lässt sich
aber auch eine Fachoberschule oder Berufsfachschule besuchen.
Aufgrund der Tatsache, dass den Absolventen einer Wirtschaftsschule so viele Möglichkeiten offen stehen, stellt
sich die Frage, warum solch eine Einrichtung nur in Bayern vorhanden ist. Schließlich würde es auch das Schulwesen
aller übrigen Bundesländer bereichern, eine solche Schulbildung anzubieten. Experten gehen davon aus, dass sich die
Relevanz einer solchen Einrichtung immer mehr verdeutlichen wird, wodurch es auch in den übrigen Bundesländern zu
den Eröffnungen von Wirtschaftsschule kommen würde. Noch gibt es aber leider keine Aussagen der Politiker, die
diese These bekräftigen. Man darf also durchaus gespannt sein, wie sich dies in Zukunft entwickeln wird.