Business College nimmt Thema Edelstahlrohr als Studienobjekt auf
Das Dr. Woolworth ein Exzentriker war, war wohlbekannt. Doch dass
Dr. Woolworth so exzentrisch war, verblüffte selbst jene Studenten des Business College in Nottingham, die schon
seit Jahren unterricht bei ihm hatten. Die einen reagierten mit unverhohlener Verblüffung, die anderen mit einem
amüsierten Lächeln, als Dr. Woolworth das Studienobjekt für den Unterricht der kommenden Wochen verkündete. Vor den
Augen aller Anwesenden offenbarte er stolz ein Edelstahlrohr. Scheinbar deutet Dr. Woolworth das Schweigen im Saal als Ausdruck der
Ehrfurcht, denn er lächelte väterlich.
Als Dr. Woolworth weitschweifig anfing über die segensreichen
Eigenschaften eines Edelstahlrohrs zu fabulieren, wurde den Teilnehmern des Kurses klar, dass der Doktor es
offensichtlich ernst meinte. Er berichtete von der Entwicklung der Stahlindustrie. So sei die Stahlindustrie in
ihren Anfängen deswegen so schnell gewachsen, weil so viele andere industrielle Zweige an ihr hingen. Die
Rüstungsindustrie zu Zeiten der Weltkriege, die Automobilindustrie, die am wachsen war... doch das mitunter riesige
Stahlkonzerne heute schon längst nicht mehr so bedeutungsvoll wären wie damals, läge dran dass sie nicht die
ausreichende Weitsicht besaßen sich den Veränderungen des Marktes anzupassen. Um seine Worte gestenreich zu
untermauern, blickte der Doktor durch das Edelstahlrohr wie durch ein Fernrohr. Der Markt habe sich dahingehend
verändert, verriet Dr. Woolworth, dass es heute nicht mehr die Massenabnehmer alleine gebe (Automobilindustrie,
Rüstungsindustrie etc.), sondern dass es heute tausendfach verschiedene Abnehmer gebe, da sich der Stahl als
Werkstoff in sehr vielen Bereichen durchgesetzt habe.
Er entließ uns mit der Aufgabe, selbst etwas über die
vielseitigen Möglichkeiten von Edelstahl herauszufinden. Da das Edelstahlrohr von Dr. Woolworth augenscheinlich für
eine Art Wasserleitung gedacht war, befasste ich mich mit diesem Thema: Rohrnetzwerke. Ich fand heraus, dass
Leitungen (kleine wie große) niemals aus einem Rohr bestehen, sondern aus mehreren so genannten Schweißfittings. Also aus Rohrstücken, die miteinander verschweißt werden. Alternativ dazu
gibt es auch Stücke, die mit so genannten Planschen verbunden und verschraubt werden. Abwasserfittings werden
zum Beispiel häufig einfach nur gesteckt – so genannte Steckfittings. Je nach Legierung kann ein Edelstahl für
verschiedenste Rohrleitungen verwendet werden. Manche Leitungen müssen schließlich sehr spezifischen
Anforderungen widerstehen – zum Beispiel in Kraftwerken etc.
Ich machte mir außerdem noch Gedanken darüber, wie alltäglich uns
Stahl begegnet. Viele Büromöbel enthalten zum Beispiel stählerne Bestandteile. Manche Stühle und Tische sind sogar
nahezu komplett aus Stahl. Armbanduhren können aus Stahl sein, ebenso ihre inner Mechanik. Meine Nachttischlampe
ist zu großen teilen aus Stahl ... je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr viel mir ein. Sonderbar – wenn ich
bisher an Stahl dachte, dann vielen mir zuerst solche Dinge wie Besteck oder Autofelgen ein. Doch dabei spielt
stahl in unserem Leben eine große Rolle und zwar auf verschiedenste Weise. Und das hieß auch, dass es für Edelstahl
nach wie vor einen großen Markt gab. Nur konnte keine Firma ernsthaft von sich behaupten, wirklich alles Denkbare
aus stahl herzustellen. Man musste sich also spezialisieren.
Nun konnte ich verstehen warum Dr. Woolworth den Edelstahl als
Unterrichtseinheit behandeln wollte. Das Thema war durchaus von großer wirtschaftlicher Relevanz. Edelstahl bzw.
die ganzen Legierungen an Edelstahl wurden überall verwendet. Kaum ein gesellschaftlicher Bereich, der nicht
irgendwie mit Edelstahl in Berührung kam. Die Bedeutung des Edelstahls und das wirtschaftliche Potenzial dahinter,
leuchteten mir nun absolut ein. Mir war nun klar, dass das Skelett unserer Gesellschaft aus Edelstahl war – ich
fühlte mich wie Terminator! Hasta la vista, baby! Mein Blick viel auf einen Gullydeckel. Wie viele Adern aus Stahl
und Metall mochten sich wohl darunter befinden?
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